Kaiserschnitt aus Notwendigkeit oder Kaiserschnitt der Einfachheit halber?

Wieso hat heutzutage mehr als jede 3. Frau einen Kaiserschnitt? Aus Notwendigkeit um Leben zu retten oder der Einfachheit halber weil wir ihn besser in unser beschäftigtes Leben planen/hineinquetschen können? 

Ich durfte die letzten Wochen eine Schwangerschaft und Geburt begleiten. So schön es ist das Baby in den Armen zu halten, so traurig ist es für mich anzusehen, wie wir das Wunder, dass neues Leben in uns wächst behandeln.  

Es ist ein Thema unserer Gesellschaft, von der wir alle Teil sind. Wir alle tragen dazu bei, dass unsere Welt so ist wie sie ist. Das aber hat auch die große Chance in sich, dass wir (dh jede/r einzelne von uns) etwas ändern könnte... 



Die Nachricht, dass ein weiteres Kind in die Familie kommt, hat natürlich das gesamte Umfeld erfreut. Eltern, Geschwister, Schwägerin und Schwager, Freunde, Nachbarn und deren Verwandtschaft waren voller Freude. 

schwanger

Da das 1. Kind 5 Wochen zu früh gekommen ist, glaubte jeder dh Eltern, Geschwister, Schwägerin und Schwager, Freunde, Nachbarn und deren Verwandtschaft zu wissen, dass die Schwangere es nicht bis zum Geburtstermin schaffen wird. 

In den letzten Wochen hat sie das mehrmals täglich von allen Seiten gehört. Ich weiß, dass niemand böse Absichten hatte. Aber ich hab mich jedes Mal gefragt, wie man einer Schwangeren hilft indem man ihr sagt, dass sie es nicht schaffen wird. 

Ich hab versucht zu sagen, dass das Baby kommt, wenn es ausgebacken und bereit ist. Aber das war ein Tropfen auf den heißen Stein unter dem ständigen Zweifel ihres Umfelds. 

Zudem, dass niemand geglaubt hat die Schwangere würde bis zum Ende durchhalten, musste die Geburt auch irgendwie in den Terminkalender gequetscht werden. 

Die Großmutter, die bei der Geburt all ihrer Enkel dabei ist, saß wochenlang auf Nadeln wie sie sich kurzfristig von ihrer Arbeit freinehmen kann, wenn es denn soweit ist. Sie wohnt 1,5 h entfernt von ihrer Tochter und muss somit gut organisiert sein um die Geburt nicht zu verpassen. 

In Woche 37 gab es einen Fehlalarm. Am Freitag bekam die Schwangere leichte Wehen, die Großmutter hat ihren Koffer gepackt und ist nach der Arbeit zur Tochter gefahren. Die Großmutter war überzeugt, dass das Baby kommt. Es hätte ja perfekt gepasst, die Großmutter hatte bis Sonntag Zeit. Doch leider war es nur ein Fehlalarm. 

Für Woche 38 hätte man dann die Einleitung geplant. Doch wider Erwarten rief das Krankenhaus ein paar Stunden vorher an um mitzuteilen, dass man sie doch noch nicht einleiten kann. Die Grenzwerte vom Arzt stimmten nicht mit den Grenzwerten des Krankenhauses überein und daher konnte das Krankenhaus aus Versicherungsgründen das Risiko einer Einleitung nicht eingehen. 

Die Einleitung wurde auf Woche 39 verschoben. Die Großmutter war erleichtert nun einen fixen Termin zu haben und konnte somit in der Arbeit Bescheid gegeben, dass sie ein paar Tage freinehmen wird. 

Man hat die Mutter Sonntag am Abend eingeliefert, ihr ab Mitternacht nichts mehr zu essen gegeben und einen Ultraschall gemacht. Das Baby war zwar in der richtigen Lage aber noch nicht in der richtigen Position. Das Köpfchen war noch nicht im Becken. Montag Morgen hat man sie an Pitocin und CTG gehängt

Die Bewegungsfreiheit der Mutter war somit stark eingeschränkt. Sogar die Krankenschwestern "scherzten", indem sie gesagt haben: "Naja eins ist klar, abhauen kannst du nicht." 

Nach 6 h Wehentropf und leichten Wehen wurde die Stimmung ungeduldig. Es war nun 3 Uhr am Nachmittag als der Arzt mit seiner Crew (Assistenten, Krankenschwestern und Studenten) ins Zimmer kam. 

Er untersuchte die Gebärende sichtlich grob, stand auf und sagte folgendes: 

"Also dem Baby geht's gut, aber es ist nicht in Position. Der Muttermund ist erst 1 cm geöffnet. Ich musste meine Hand völlig bis zum Ellbogen reinschieben und konnte ihn fast immer noch nicht ertasten. Wir können natürlich noch Stunden/Tage warten bis Sie komplett ausgepowert sind, aber ich glaub nicht, dass sich was tun wird. Gerne mach ich einen Kaiserschnitt für Sie, dann haben Sie es hinter sich und können ihr Baby bald im Arm halten. Wir können natürlich auch noch warten, wenn Sie unbedingt darauf bestehen, aber ich würde einen Kaiserschnitt machen." 

Die Mutter hat angefangen zu weinen. Dennoch hat sie zugestimmt. 

kaiserschnitt

Das OP Team kam und hat die Mutter vorbereitet. Bevor man sie rasiert hat, hat die Krankenschwester gesagt, dass wenn jemand das nicht sehen möchte, soll er jetzt den Raum verlassen. In diesem Moment wurde besonders klar, dass die Mutter und ihr Empfinden nicht im Mittelpunkt stehen. Vielmehr wurde sie als "Objekt" behandelt. 

Die Mutter hätte laut Krankenhaus nichts essen dürfen. Sie hatte aber trotzdem über den Tag verteilt immer wieder ein paar Snacks. Der Anästhesist hat sie gefragt, wann sie zuletzt gegessen hat. Verständlicherweise hat sie sich nicht getraut ehrlich zu sein und sagte deshalb nur, dass sie ein paar Cracker in der Früh hatte. Als man ihr die PDA gegeben hat, hat sie sich übergeben. Ich finde den (gegenseitigen) Mangel an Vertrauen zwischen Arzt und gebärenden Frauen nicht nur traurig, sondern auch gefährlich. Immerhin gibt man sein Leben in die Hände des Anästhesisten! 

geburt



Mutter und Baby geht's soweit gut. Bis auf die Wunde, die der Mutter schmerzt und ein blauer Fleck auf der Wange des Babys. 


Der Arzt war im Übrigen seit 4 Uhr in der Früh im Dienst. Der Kaiserschnitt der Frau, die ich begleitete erfolgte um 5 Uhr am Abend. Der Arbeitstag des Arztes war allerdings noch nicht vorbei. Als ich das Krankenhaus einige Stunden nach der Geburt verließ, war der Arzt immer noch da und brachte ein weiteres Kind auf die Welt. 

Wenn ich an meine Tage denke, in denen ich in einem Büro gearbeitet habe, war bei mir die Konzentration spätestens nach 8 h vorbei. Wie kann jemand - auch wenn er Arzt ist - nach mehr als 16 h immer noch gute Arbeit leisten?? Aus meiner Sicht ist es nicht möglich... 

Ich stelle die Frage, ob wir Kaiserschnitte aus Notwendigkeit oder der Einfachheit halber machen an unsere gesamte Gesellschaft: 

Wie behandeln wir eine gebärende Frau? 

Wie heißen wir unsere Babies auf dieser Welt willkommen? 

Mit Würde??? 

Machen Ärzte Kaiserschnitte um Leben zu retten oder weil sie ihren 16+ h Arbeitsalltag so gut wie möglich planen wollen und müssen um halbwegs bei Kräften zu bleiben? 

Wie sehr richten wir Geburtstermin und Geburt nach Familienangehörigen, Verwandtschaft und Freunden, die zwar lieb gemeint aber dennoch ungeduldig das Baby in den Arm nehmen und beschenken wollen?? 

Hat die Mutter Vertrauen in ihr Baby, dass es sich meldet, wenn es ausgebacken und bereit ist? 

Schreib mir, was DU darüber denkst! 

Im festen Glauben, dass wir in Schwangerschaft, Geburt & Wochenbett etwas ändern sollen, müssen und können... 

...lasst uns zusammenhelfen und wieder erkennen, welch ein Wunder der Natur, von Gott, des Universums es ist neues Leben auf diese Welt zu bringen! ​​​​

In Liebe 

Angelika 
Biologin&Doula

2 comments

    • Angelika says:

      Das traurige daran ist, dass wir so beeinflusst sind von den Medien. Ich glaube fest daran, dass viele Frauen – zumindest tief im Inneren – mit der jetzigen Situation nicht zufrieden sind. Aber man lässt uns glauben, dass es “normal” ist. Man verkauft uns, dass Kaiserschnitte die bessere Alternative sind, dass wir nicht stillen müssen, weil es ja genügend Babynahrung zu kaufen gibt, dass wir so schnell wie möglich wieder arbeiten gehen sollen um nicht “nur” Mutter zu sein,… Wenn wir das erkannt haben, können wir unsere Rechte als Mütter zurückfordern. Gemeinsam können wir es schaffen!

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